„Ich bin alles, was du nicht verstehst, aber tragen willst.“
Anthony J. Thorne
Der Schauspieler
In einer Welt der permanenten Zuschreibungen, der hektischen Identitätsvermarktung und der algorithmischen Schubladisierung tritt er auf. Der Schauspieler! Eine Figur, ein Wesen, ein Lichtkörper. Zersplittert in hundert Masken, wandelbar wie Wasser, unbeirrbar wie ein Spiegel.
Diese Bildserie ist mehr als nur eine digitale Collage. Sie ist ein transzendentes Tableau, in dem sich das Eine in das Viele ergießt. Ein archetypisches Selbst, das sich ohne Urteil durch alle Rollen bewegt. Männlich, weiblich, grotesk, verletzlich, überhöht. Der Körper ist dabei nicht Objekt der Begierde oder der Bewertung, sondern Instrument, Gefäß, Resonanzraum.
„Der Schauspieler“, so scheint es, hat den Auftrag übernommen, alles zu sein.
Und dabei nichts zu werden.
Die Serie erinnert an das sakrale Spiel des indischen Lila. Das göttliche Theater des Werdens und Vergehens. Gleichzeitig zitiert sie die Ästhetik des Pop, der Mode, der kulturellen Maskerade und entlarvt sie als Teil eines viel tieferen Spiels; dem des reinen Bewusstseins, das sich Form leiht, um Form zu durchdringen.
Er ist der Träger aller Geschichten und gleichzeitig frei von Geschichte.
Er ist das Ich, das Du, das Er, Sie, Es
und am Ende das Licht, das alles durchdringt.
Ein Werk von fast gefährlicher Stille im Lärm der Zuschreibungen.
Ein Plädoyer für das Unsagbare im Sichtbaren.
Ein stiller, leuchtender Vertreter dessen, was jenseits der Rollen liegt:
der Schauspieler als Lichtwesen.
Anthony J. Thorne (geb. 1943 in Cambridge) ist ein britischer Kunstkritiker und Essayist. Nach seinem Studium in Oxford (Philosophie und moderne Sprachen) arbeitete Thorne als Übersetzer, Schriftsteller und Kulturvermittler in ganz Europa.
Beeinflusst von der deutschen Nachkriegskunstszene, pflegte er eine informelle Verbindung zu John Anthony Thwaites in Düsseldorf, trat jedoch nie ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.
Thorne ist bekannt für seine subtilen, vielschichtigen Reflexionen über Form und Identität. Zu seinen seltenen Veröffentlichungen zählen „The Mirror and the Skin“ (1987) und „Layers of Silence“ (1996). Seit Anfang der 2000er Jahre lebt er zurückgezogen in Südfrankreich und tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf, bleibt jedoch ein aufmerksamer Beobachter aufstrebender künstlerischer Stimmen.
