Filmwerk

Film als bildnerisches Denken
Ein Filmwerk im Kontext der bildenden Kunst ist nicht bloß Narration in Bewegung, sondern eine visuelle Denkform. Es entfaltet sich zwischen Bild, Ton, Text und Zeit; als Erweiterung dessen, was Malerei, Skulptur oder Collage im Raum leisten. Eine poetische Setzung im Zeitfluss. Anders als das traditionelle Kino sucht das künstlerische Filmwerk nicht nach linearer Erzählung, sondern nach Verdichtung. Begriffe wie „Blinde Kuh“, „Schlaf Kindlein“, „Erdlochfüller“ oder „morphisches Feld“ verweisen nicht auf abgeschlossene Aussagen, sondern auf ein Denken in Fragmenten, in Assoziationen, in offenen Schleifen. Die Kamera wird dabei nicht zum Auge des Betrachters, sondern zum Werkzeug der Formbildung; vergleichbar mit einem Pinsel, einem Messer oder einem Kopiergerät.

Im Spannungsfeld zwischen bildender Kunst und Film wird jede Sequenz zur plastischen Handlung. Schnitte werden zu Brüchen, Überblendungen zu Collagen, Sprachfetzen zu konzeptuellen Skulpturen im Zeitkontinuum. Das Bild spricht nicht nur. Es denkt. So wird das filmische Werk zur bewegten Collage, zur Serie von Setzungen, die Fragen stellen statt Antworten zu geben. Es ist ein Arbeiten am Material der Wahrnehmung. Zwischen Sehen, Hören und Spüren und damit ein genuiner Akt bildender Kunst.

Anthony J. Thorne.